Narrenzunft Strohglonki 1777 Leipferdingen e.V.
Narrenzunft Strohglonki 1777 Leipferdingen e.V.

Geschichtliches über die Leipferdinger Fasnacht

 

Von Gottfried Sauter, Kommingen

 

In der Zeit, welche ich der Erforschung der Vergangenheit der Randenheimat und im Besonderen der Dörfer der Ämter Blumenfeld und Tengen widmete, galt mein Interesse u.a. vorrangig den Hinweisen, welche mir für die Erhellung der Kulturgeschichte des genannten Raumes wichtig erschienen. Allerdings war die Ausbeute meiner Sammlertätigkeit nicht gerade groß. Indessen stieß ich bei meiner Suche doch auf zahlreiche Nachrichten, die mir aufschlussreich und festhaltenswert erschienen. Zu diesen, die ich in meinen Notizen bewahrte, gehören auch die zwei nachfolgenden Belege über die Leipferdinger Fasnacht:

 

Im Winter 1777 viel Xaveri Heß von Leipferdingen den „ledigen Buben“ des Dorfes missliebig auf, weil er zuviel zur Johanna Wehin, der Tochter der „Wittib Maria Guthen“, und „zu des Gablenmachers Schwester“ ging. Vollends unterträglich aber wurde das Verhalten des Heß für die „Buben“ in den Fasnachtstagen des genannten Jahres, in deren Verlauf er die beiden Mädchen gelegentlich „im öffentlichen Wirtshaus auf dem Schoß“ sitzen hatte. Damit war das Maß übervoll; etwas musste nun geschehen! Von dieser Einsicht durchdrungen taten sich die „Buben“ zusammen und „bengelten“ den Weiberheld „am letzen Fasnachtsdienstag“ so schrecklich, dass ihm die Lust am Bösen verging und er 15 Wochen nicht mehr arbeiten konnte. Nachdem sich Heß wieder leidlich erholt hatte, wurde sein Fall am 12. Juni 1777 vor dem Oberamt in Blumenfeld verhandelt und drum schriftlich festgehalten. Uns lehrt die Begebenheit ein Mehrfaches:

  1. 1777 ist das Jahr, bis zu welchem für Leipferdingen ein Fasnachtstreiben zurück verfolgt werden kann.

  2. Vor fast 200 Jahren gab es in Leipferdingen, wenn auch nur vereinzelt, „ledige Buben“, die ab und zu, zu „den Menschen“ gingen.

  3. In der gleichen Zeit gab es in Leipferdingen, wenn gottlob auch nur als Ausnahmen, Mädchen, die sich so weit vergaßen, dass sie sich solchen Kerlen auf den Schoß setzten.

  4. Schon 1777 war die Mehrzahl der Leipferdinger „ledigen Buben“ so tugendsam, dass ihnen ein auf den Knien sitzendes Mädchen als ein auszurottender Greuel erschien.

 

Und nun doch das zweitälteste Zeugnis über die Leipferdinger Fasnacht:

Im Winter1792 ließen sechs Leipferdinger „ledige Mädle“ gemeinschaftlich 12 Maß Wein kommen, um mit diesem „ihre ledigen Buben“ „zur Bezeugung ihrer Zufriedenheit über das Fasnachttanzen“ am Aschermittwoch“ zu „bedienen“. Vorsorglich legten sie den Wein in des „Thadda Schwäglers Keller“. Doch siehe da: als sie ihn am bewussten Tag holen wollten, war er verschwunden. So kam es zu einer Anzeige beim Oberamt in Blumenfeld, und am

17. März 1792 zu einem Verhör, in dessen Verlauf u. a. der 19 Jahre alte Nikolaus Gut besonders vernommen wurde. Dabei ergab sich, dass Gut wie noch 10 andere „Buben“

„den Fasnachtsnarren“ „gemacht“ hatte, und dass die Narren überall im Dorf mit Wein und Branntwein bewirtet worden waren.

 

Die Verfolgung des vermeintlichen Diebstahls führte zu keinen positiven Ergebnissen. Das abhanden gekommene „Fässchen“ wurde, wenn auch leer, bald vor dem „Kunkelhaus“, in welchem sich die Mädchen zum Spinnen trafen, gefunden. Ihm war ein Brief beigefügt, welchem zwei Gulden für den Wein und ein Zettel eingeschlossen waren, auf welch letzterem ein Vers geschrieben stand:

 

„Es ist gut, ein Spaß anstellen,

man tut nur die Unrechten zählen.“

Auch diese Leipferdinger Fasnachtsgeschichte ist eine Schlussfolgerung wert. Sie besteht in folgendem:

 

  1. Leipferdingen kann für sich in Anspruch nehmen, 1792 bereits ein ziemlich reiches Fasnachtsbrauchtum besessen zu haben. Als Bestandteil dieses Brauchtums sind belegt: das „Fasnachttanzen“, das „Fasnachtnarrenmachen“, die Bewirtung der Narren durch die Dorfgemeinschaft, ein gewisses „Aschermittwochtreiben“ und – vielleicht – die Bewirtung der „ledigen Buben“ durch die Tänzerinnen.

 

  1. Die Aussage des Nikolaus Gut, „er habe den Fasnachtnarren gemacht“ und sich als solcher im Dorf vorgestellt, lässt die Vermutung aufkommen, es habe sich bei diesem „Fasnachtnarren“ um die Mittelpunktfigur der heutigen Leipferdinger Fasnacht, den „Schtrauglunggi“, gehandelt, Leider ist dieses Annahme, so nahe liegend sie ist, vorläufig nicht beweisbar.

 

Ob der Schabernak, welcher den Mädchen mit der Weinentwendung angetan wurde, ebenfalls im Brauchtum begründet war oder ob es sich bei ihm um einen einfachen „Spaß“ handelte, muss ebenfalls dahin gestellt bleiben. Daran ist jedoch nicht zu rütteln: die Leipferdinger

„ledigen Buben“ von 1792 waren Fasnachtstänzer sonder Tadel, und ihre Mädchen waren ihnen drum nicht nur in Worten, sondern mit Recht auch in Form von Verehrungen dankbar.

 

Ähnlich, wie Leipferdingen im 18. Jahrhundert die Fasnacht gestaltete, haben sicher auch die übrigen Orte unserer Landschaft einstens die auf der Schwelle zum Frühling liegenden Tage verbracht. Dass aber 200jährige Zeugnisse über die Fasnacht von Leipferdingen beibringbar waren, und dass es in der Gestalt des „Schtrauglunggi“ ein Symbol der Fasnacht aus einer Zeit, in welcher diese noch ein Kult waren, uns unsere Tage herüber rettete, ist ein besonderer Vorzug unseres Festdorfes.

Benützte Quellen:

 

Generallandesarchiv Karlsruhe, Protokolls. 5163 und 5165. Vgl. auch Codex – Kultur Atlas,

Heft Leipferdingen – Stetten, hrsg. v. Verein für Geschichte des Hegaus, Singen und

Codex-Verlag Gundholzen, 1971

Narrentreffen/Auftritte 2018

19.01.-21.01.    Narrentreffen in Tengen

04.02.               Narrentreffen in Seelbach

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