Narrenzunft Strohglonki 1777 Leipferdingen e.V.
Narrenzunft Strohglonki 1777 Leipferdingen e.V.

Wie der Leipferdinger Ur-Strohmann entsteht

 

Stroh ist ein uralter bäuerlicher Rohstoff und zugleich winterliches Symbol. Dass somit Stroh wegen seiner symbolischen Bedeutung in dem im Brauchtum verwurzeltem Volksglauben Eingang fand, ist verständlich. So findet man noch in allen Brauchtumsgebieten das Stroh und die Strohfigur in der Reihe der Winter- und Frühlingsbräuche, aber nur einmal als Fasnachtsfigur. Somit ist der Leipferdinger Urstrohmann die einzige Fasnachtstrohfigur im Brauchtumsgebiet, die sich ohne Unterbrechung überliefert hat (der Singener „hoorige Bär“ ist zwar auch eine Fasnacht-Strohfigur, weist aber im Gegensatz zu unserem Urstrohmann eine längere Unterbrechung auf).

Die folgenden Zeilen sollen nun aufzeigen, wie viel Handgriffe nötig sind, um aus einem ansehnlichen Haufen Stroh einen echten Leipferdinger „Straumaa“ herzustellen. Selbst die ältesten Dorfbewohner können sich noch entsinnen, dass schon in ihrer Kinderzeit der Strohmann in Erscheinung trat.

In den frühen Nachmittagsstunden des Schmutzigen Donnerstags begab sich ein großgewachsener, vorher bestimmter Bursche in die Scheune eines ebenfalls vorher festgelegten Bauernhofes. Dorf wurde ihm das bereitgelegte Stroh mehr oder weniger sorgfältig mit Schnüren Stück um Stück um den ganzen Körper gebunden, bis zuletzt nicht einmal mehr die Nasenspitze zu sehen war. Der so völlig eingesperrte Narr wurde dann mitgeführt, wenn der Narrenbaum im Wald eingeholt und nachher auf dem Latschariplatz gesetzt wurde. Abends entledigte man den Strohmann in der nämlichen Scheune seiner ungemütlichen Bekleidung, indem ihm das Stroh kurzerhand vom Leibe riss.

Heute hat der Strohmann aus Leipferdingen ein kultiviertes, jedoch nicht minder originelles und traditionsbewusstes Aussehen. Hierzu ist allerdings ein gehöriges Stück Arbeit nötig. Für das Strohgewand eignet sich am besten Haferstroh. Da jedoch die Halme lang und ungebrochen sein müssen, können bei der Gewinnung des Strohs keine neuzeitlichen Erntemaschinen, wie zum Beispiel Mähdrescher, eingesetzt werden. Die Arbeit muss vielmehr wie früher vonstatten gehen. Die gut ausgereiften Haferhalme werden mit der Sense schnitten, von Hand weggenommen, in Garben gebunden und diese zum Trocknen aufgestellt.

In der Scheune des Narrenvaters wird der Hafer mit Dreschflegeln ausgedroschen und das Stroh aussortiert. Dabei sucht man die schönsten Halme heraus. Diese werden sorgfältig gebündelt, über einer Schnur geknickt, so dass sie an beiden Seiten parallel herunterhängen und dann miteinander verflochten und zusammengenäht.

Bald ist es Zeit für die erste Anprobe. Auf grobem Leinenstoff werden die vorher gefertigten Strohreihen in einem Kreis aufgenäht. Wie bei einem Ziegeldach müssen die einzelnen Lagen übereinander liegend, so dass eine Art Flecklesgewand entsteht. An den Händen und Beinen bindet man die letzen Strohreihen zusammen. Besonders originell sind die Strohschuhe, die ungewöhnlich land sind, da man das Stroh um vier zusammengedrehte Drähte wickelt.

Auch für die Herstellung des Strohkopfes wird ein Drahtgestell verwendet, an das möglichst lange Halme gebunden werden, die über dem Kopf zu einer Art Spitzhut zusammenlaufen. Zwei kleinere Sehschlitze ermöglichen es, dass der Strohmann seine Umgebung auch deutlich wahrnehmen kann. Zu diesem Zweck wird das Stroh vor den Augen etwas zusammengezogen. Auch die Strohohren werden dabei nicht vergessen, an den Strohkopf anzusetzen. So kommt der Strohmann ohne eigentliche Larve aus.
 

Ein letztes Zurechtrücken widerspenstiger Halme und nach einem harten Stück Arbeit ist ein neuer Leipferdinger Strohmann geboren. Diese „Geburt“ wird sodann gleich in einigen zünftigen Schnäpsen gefeiert.

Narrentreffen/Auftritte 2018

19.01.-21.01.    Narrentreffen in Tengen

04.02.               Narrentreffen in Seelbach

Kontakt

Narrenzunft Strohglonki 1777 Leipferdingen e.V

Zunftmeister Michael Mohaupt

Leipferdingen

Buchenweg 3

78187 Geisingen

 

E-Mail: info@strohglonki.de

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